Verpacken mit Worthülsen

Wie das? Man macht Beispielsweise aus einem Spiel einen König. «König Fussball» heisst dann die Worthülse. Das Runde muss ins Eckige. So einfach definiert sich dieser ehedem ziemlich proletarische Sport, den die Gazetten nun längst zum «König» erhoben haben. Nur, dieser Sport ist längst keiner mehr.

Er ist zum milliardenschweren Kommerz verkommen, eingesponnen in eine intransparente, mafiose Organisation. Und alle spielen sie mit, die Medien. «Brot und Spiele», hiess das im alten Rom. Damit liess sich der Plebs einlullen und von dummen Gedanken abbringen. Die Krone des Königs, Fifa geheissen, ist der heutige Senat, die zentrale Institution mit den Honigtöpfen für ihre Funktionäre und Politiker. Mit Sitz in der Weltstadt Zürich – steuerfrei versteht sich. Der Corleone-Clan des runden Leders. Alimentiert durch Erdölscheichs, Oligarchen, chinesische Firlefanz-Finanz-Wohltäter. Klar, König Fussball übt selbstverständlich und nicht zuletzt auch eine sehr sinnvolle, soziale Funktion aus: Millionen Menschen, meist männlichen Geschlechts, kommen durch ihn in den Genuss einer erfüllenden Freizeit, die sie nicht mit der Familie verbringen müssen. Es lebe König Fussball. Nicht selten assistiert von König Alkohol. Wichtigste Nebensache auf diesem Planeten; längst keine Nebensache mehr. Weltumspannendes Geschäftsmodell, die Proleten aller Klassen einträchtig vereinigend. Es rollt und rollt der Ball. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – und umgekehrt. So wollen es die Worthülsen.